23.07.2026 Pressemitteilung: Kultur braucht Verlässlichkeit – nicht Lippenbekenntnisse

Mit Verwunderung nimmt das Netzwerk Hammerschmiede als Vertretung der Kultur-
schaffenden auf dem Henschel-Areal die Aussagen von Projektentwickler Dr. Markus Vo-
gel im HNA-Interview vom 20. Juli 2026 zur Kenntnis. Während öffentlich betont wird,
Kunst, Kultur und Handwerk seien ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Henschel-
Areals, sprechen die tatsächlichen Entwicklungen eine andere Sprache.
In dem Interview begründet Dr. Vogel die aktuellen Mieterhöhungen: „Wir haben seit der
Übernahme des Geländes vor fünf Jahren den einen oder anderen Mietvertrag angepasst,
anpassen müssen.“ Aktuell wurde aber nicht der eine oder andere Mietvertrag angepasst,
sondern alle Kulturschaffenden haben Mieterhöhungen von bis zu 250 Prozent erhalten
– und das für Räume, die vielfach weder einen zeitgemäßen Ausstattungsstandard noch
eine angemessene Infrastruktur bieten. Solche drastischen Mieterhöhungen sind die
größte Bedrohung für die Kulturszene auf dem Henschel-Areal. Begründet werden die Er-
höhungen vor allem mit gestiegenen Betriebskosten. Gleichzeitig wird den Mieterinnen
und Mietern bislang keine ausreichende Transparenz über die Zusammensetzung dieser
Kosten ermöglicht.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele der von Kulturschaffenden genutzten Räume nur
einen sehr einfachen Ausstattungsstandard aufweisen. Teilweise stehen weder Wasser-
anschlüsse noch Toiletten in der Nähe zur Verfügung. Einige Räume verfügen über keine
Heizung und können deshalb nur während der wärmeren Monate sinnvoll genutzt wer-
den. Vor diesem Hintergrund sind Mieterhöhungen von bis zu 250 Prozent besonders
schwer nachvollziehbar. Wer erhebliche Mehrkosten mit gestiegenen Betriebskosten be-
gründet, muss transparent darlegen, wie diese sich zusammensetzen und welche Leistun-
gen diesen Kosten tatsächlich gegenüberstehen.
Die Erhöhung der Mietkosten in der aktuellen Größenordnung ist insbesondere für die
professionellen Künstlerinnen und Künstler, die mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhält
verdienen, teilweise existenzbedrohend, weil sie die exorbitant gestiegenen Kosten nicht
aufbringen und die Räume nicht weiter mieten werden können – und das angesichts der
Tatsache, dass es in Kassel kaum alternative Raumangebote gibt.
Es sind aber nicht nur die Kostensteigerungen, die auf Unverständnis stoßen, sondern
auch die Umstände, wie diese durchgesetzt werden sollen. Es wurden Änderungskündi-
gen mit kurzer Fristsetzung und neue Mietverträge mit deutlich verschlechterten Kondi-
tionen verschickt, mit denen die Mietenden künftig sogar zu Renovierungs- und Instand-
setzungsarbeiten verpflichtet werden, die in keinem Verhältnis stehen zum derzeitig
schlechten Zustand der Räume.
Im Interview wird außerdem argumentiert, künftig könne man keine 60 Einzelmietver-
träge mehr verwalten. Dieses Argument wirkt vorgeschoben. Der Eigentümer hat diese
Vertragsstruktur selbst gewählt und mit den ausgesprochenen Änderungskündigungen
sowie den angebotenen Neuverträgen gerade erst bekräftigt. Sich anschließend über den
Verwaltungsaufwand dieser selbst geschaffenen Struktur zu beklagen, ist nicht nachvoll-
ziehbar.
Auf den Wunsch des Eigentümers, künftig einen Hauptmieter als Ansprechpartner zu ha-
ben, hat das Netzwerk Hammerschmiede schon im letzten Jahr gegenüber dessen Mitar-
beiterin und einem Mitarbeiter des Büros Dr. Vogel im Rahmen einer Informationsveran-
staltung erklärt, diese Aufgabe einschließlich der Verwaltung und Betreuung eines künf-
tig für die Kulturschaffenden ertüchtigen Gebäudes zu übernehmen.1 Außerdem hat das
Netzwerk angeboten, bei der Entwicklung des Areals und der Räume für die Kulturschaf-
fen konstruktiv mitzuarbeiten.
Die Kulturkonzeption der Stadt Kassel formuliert unmissverständlich das Ziel, kulturelle
Produktionsorte langfristig zu erhalten und bezahlbare Ateliers, Werkstätten und Probe-
räume zu sichern. Genau daran muss sich die Entwicklung des Henschel-Areals messen
lassen. Ein Quartier wird nicht dadurch kulturell, dass Kultur in Planungsunterlagen er-
wähnt wird. Es wird kulturell durch die Menschen, die dort arbeiten, produzieren und
Öffentlichkeit schaffen.
Irritierend ist auch die Behauptung, der Skateboardverein Mr. Wilson sei nicht verdrängt
worden. Tatsächlich hat der Verein aufgrund der erheblich gestiegenen Mietforderungen
bereits einen neuen Standort finden müssen und bereitet seinen Umzug vor. Genau diese
Entwicklung befürchten heute auch die Künstlerinnen und Künstler sowie die kulturellen
Initiativen auf dem Gelände. Die Erfahrungen von Mr. Wilson zeigen, dass Verdrängung
nicht erst mit einer Kündigung beginnt, sondern bereits dann, wenn Mieten so stark stei-
gen, dass ein Verbleib unmöglich finanzierbar wird.
Das Netzwerk Hammerschmiede e.V. unterstützt ausdrücklich die Entwicklung des Hen-
schel-Areals zu einem lebendigen und offenen Stadtquartier. Doch dieses Ziel wird nur
erreicht, wenn die Menschen, die das Gelände über Jahrzehnte geprägt haben, auch künf-
tig dort arbeiten können. Ein kulturelles Quartier lebt von Kontinuität, Vielfalt und ge-
wachsenen Strukturen. Wer diese Strukturen durch wirtschaftlichen Druck zerstört, ge-
fährdet die kulturelle Identität des gesamten Areals und schadet dem Stadtteil.
Wir fordern deshalb den Eigentümer und die Stadt Kassel auf, endlich verbindliche
Zusagen zum dauerhaften Erhalt bezahlbarer Kulturflächen zu machen. Solange
Kulturschaffende mit Mieterhöhungen von bis zu 250 Prozent konfrontiert werden,
ihnen zugleich keine nachvollziehbare Begründung für diese Erhöhungen vorge-
legt wird und die bestehenden Mängel der Räume fortbestehen, bleiben Bekennt-
nisse zur Kultur bloße Lippenbekenntnisse.
Wer Kassel als Kulturstadt stärken will, muss die Menschen vor Ort schützen, die
diese Kultur tagtäglich schaffen und darf ihre Verdrängung nicht in Kauf nehmen.

26.03.2026Spielfilm „Xoftex“ ab sofort in der ZDF Mediathek

Der preisgekrönte Spielfilm „Xoftex“ (Regie: Noaz Deshe) ist ab sofort in der ZDf Mediathek abrufbar (Link untenstehend). Der Originalton wurde in weiten Teilen von Tobias Böhm (Co-Vorsitzender Netzwerk Hammerschmiede) aufgenommen.

Zum Inhalt:
Nasser und sein älterer Bruder Yassin lieben Filme. Sie drehen kurze Sketche mit ihren Freunden, während sie in einem griechischen Flüchtlingslager auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten. "Xoftex" ist inspiriert von den Erfahrungen während eines Theaterworkshops, den die Filmemacher mit Jugendlichen in einem griechischen Flüchtlingslager namens "Softex" abgehalten haben.

Der Film lief bereits auf folgenden Festivals und gewann folgende Preise (Auswahl):

- Internationales Filmfestival in Karlovy Vary 2024,
Weltpremiere: Crystal Globe Special Jury Mention

- Filmfest München 2024, Weltpremiere

- Thessaloniki Film Festival 2024: "Silver Alexander" für die Beste Regie

- SXSW Sydney 2024

- Festival Internacional de Cine de Morelia 2024

- Ars Independent Festival, Polen 2025

- Transilvania IFF in Rumänien: Beste Regie


Link zum Film in der ZDF Mediathek:
www.zdf.de/filme/xoftex-movie-100

26.10.2025"wie geliefert - wie gefunden"

Ausstellung im Kunstbalkon „wie geliefert - wie gefunden“

Thomas Wiegand und Ruth Lahrmann
Fotografie und Skulptur

100 Fotos von verpackten Büchersendungen aus den letzten 10 Jahren werden in einem Tableau von Thomas Wiegand einer Installation von Ruth Lahrmann mit Fundstücken vom Schrottplatz gegenübergestellt.

Die Installation von Thomas Wiegand „wie geliefert“ mit den Fotos von Buchverpackungen hängt indirekt zusammen mit Thomas Wiegands Band Freude Frohsinn Kannibalen über die Fotobuchlandschaft in der DDR. Auch die für diese als Überblick angelegte Dokumentation über 45 Jahre Fotobuchpublizistik des Landes beim Autor eingetroffenen Büchersendungen haben zum Wachstum der Sammlung von bemerkenswerten Verpackungsgestaltungen beigetragen. Aus diesem Grund wird Wiegand am 21. November, 18 Uhr, die Neuerscheinung im Rahmen der Ausstellung im Kunstbalkon vorstellen.

Bei Besuchen von Schrottplätzen sind Ruth Lahrmann besondere Stahlteile aufgefallen, die die Phantasie anregen. Sie hat die Stahlteile mit ins Atelier genommen und überlegt, wie sie zu Skulpturen zusammengesetzt oder einfach nur arrangiert werden können - als mehrteilige „Bausätze“ oder auch als Einzelstücke. Vom Schrottplatz in einen Ausstellungskontext transloziert, verändert sich die Wahrnehmung der Objekte: Sie stehen in der Tradition des Object trouvé und werden zum Kunstobjekt.

Eröffnung: Donnerstag, 06.November 2025 um 18 Uhr
Begrüßung: Judit Rozsas
Einführung: Thomas Wiegand und Ruth Lahrmann
Ausstellungsdauer: 06. - 30.November 2025
Öffnungszeiten: 07. - 16.November Do./Fr./Sa./So. jeweils von 17 -19 Uhr
21. - 30. November Fr./Sa./So. jeweils von 17 - 19 Uhr
Buchvorstellung: Freitag, 21.11.2025 um 18 Uhr
Freude Frohsinn Kannibalen - Fotobücher aus der DDR. Ein Überblick von Thomas Wiegand.

01.10.20251. Balkonale

2025 steht beim Galeriefest die Südstadt wieder im Mittelpunkt, und wir vom kunstbalkon nutzen die Gelegenheit, uns gemeinsam mit vielen unserer Fördermitglieder zu zeigen. Gemeinsam gestalten wir die 1. Balkonale, eine Ausstellung mit:
 
Aliaa Abou Khaddour, Jörn Budesheim, Hedi Bumann, Jutta Eisenecker, Margrit Gehrhus, Christiane Hamacher, Anna Hoffmann, Hildegard Jaekel, Susanne Krause, Axel Kretschmer, Ruth Lahrmann (Netzwerk Hammerschmiede), Rolf Müller, Andrea Müller-Osten, Maja Oschmann, Heike Pflüger, Christel Richter-Hackenberg, Judit Rozsas, Judit Rozsas sen., Barbara Rüdiger-Aue, Andreas Sahl, Petra Schoenewald, Bernhard Skopnik, Markus Stein, Sabine Stange, Kirsten Uchman, Gerhild Werner
 
 
Eröffnung am Freitag, 3. Oktober 2025
19:00 Uhr  Offizielle Eröffnungsfeier       Galeriefest Südflash 2025, Weinbergterassen
20:00 Uhr       
Eröffnung im kunstbalkon      Begrüßung: Judit Rozsas, 1. Vorsitzende
Öffnungszeiten im Rahmen des Galeriefests Südflash 2025
Sa, 4.10.2025, 14 − 18 Uhr + So, 5.10.2025, 14 − 17 Uhr
 
Ausstellungsdauer:     3.10. − 26.10.2025
Weitere Öffnungszeiten:   9.10.−26.10.2025 Do − So  jeweils 17 − 19 Uhr

03.09.2025"Körper und Zeichen

Ausstellung „Körper und Zeichen“
Hildegard Jaekel, Ruth Lahrmann, Fritz Th. Röbbing
Objekte, Skulpturen, Tuschen
Ausstellungsraum Hildegard Jaekel
Eröffnung: 12.9.2025 um 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 12.9. – 28.9.2025
Öffnungszeiten: Fr./Sa./So. 15 -18 Uhr

Die Ausstellung „Körper und Zeichen“ vereint Arbeiten von zwei Künstlerinnen und einem Künstler aus Kassel. Körperhafte Objekte und Skulpturen von Hildegard Jaekel und Ruth Lahrmann werden den zeichenartigen Tuschen von Fritz Röbbing gegenübergestellt. Gemeinsame Merkmale der zwei- und dreidimensionalen Werke sind die formale und farbige Reduktion als Konzentration auf Wesentliches.

Hildegard Jaekel
Wandobjekte, Objekte
Die neuen Arbeiten bewegen sich zwischen Traum und Erwachen, zwischen Nacht und Morgengrauen. Nachtmahre, die keine mehr sind, bleiben, ihres Schreckens beraubt, lächelnd heitere Phantasien.

Ruth Lahrmann
Häuser
Ruth Lahrmann zeigt Skulpturen aus ihrer Serie „Häuser“. Formal reduzierte, kompakte Baukörper thematisieren Behausungen, die von Rissen durchzogen sind. Risse sind in der Physik Zeichen von Spannungen im Inneren eines elastischen Körpers; von Kräften, die gegen die äußere Form wirken und diese verändern. Sie lassen die an sich statische Form der Häuser instabil erscheinen.

Fritz Th. Röbbing
Tuschen
Die Arbeiten von Fritz Th. Röbbing bewegen sich zwischen Zeichnung und Malerei. Aus einem dynamischen Malduktus entstehen mit Tusche und Pinsel Lineaturen, Rhythmen und abstrakte Zeichen auf Papier. Die malerische Handlung ist eine konzentrierte Improvisation, Hand und Pinsel reagieren auf die intuitive Eingebung des Augenblicks. Lineare Elemente werden zum Bildthema und durch Reduzierungen und Variationen weiterentwickelt. Der Malprozess wird als Bild sichtbar gemacht.