27.09.2022Open Air Galerie Hammerschmiede: 11 Tobias Böhm

Das elfte Plakat der Open Air Galerie Hammerschmiede von Tobias Böhm zeigt mit einer Fotografie von Sascha Mannel ein weiteres Mal die enorm große künstlerische Vielfalt des Netzwerk Hammerschmiede auf.

Seit über 20 Jahren experimentiert Böhm in den Räumen der Hammerschmiede mit außergewöhnlichen Klangerzeugern, psychoakustischen Effektgeräten und binauralem Surroundsound. Die damit erschaffenen Klangwelten passen in kein klassisches Notationssystem und geben in der Folge dem Zufall viel Spielraum. Sprache, Klänge und Geräusche werden bis in ihre kleinsten Einzelteile (Grains) zerlegt und performativ zu neuen Hörwelten zusammengesetzt.

Das für die Open Air Galerie Hammerschmiede angefertigte Bild ist auf Grundlage einer Fotografie von Sascha Mannel entstanden: Es ist bei einer Klanginstallationsproduktion am 16. August 2022 aufgenommen und im Anschluss gänzlich ohne Postproduktion und Nachbearbeitung als Plakat vergrößert worden. Das so entstandene Bild gehört zum Artwork des im Herbst erscheinenden Klanginstallationsalbums von Tobias Böhm. Die Tonspur der Klanginstallation gibt es hier (tobiasböhm.de/2022/09/soundscape-nr-10-enen/) zu hören.

Tobias Böhm, der 1977 in Kassel geboren wurde, studierte Visuelle Kommunikation in der Filmklasse der Kunsthochschule Kassel. Seit 2009 ist er freiberuflich als Originaltonmeister, Mischtonmeister und Sounddesigner tätig. Bis 2019 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Digitalpool der Kunsthochschule Kassel tätig. Neben seiner Arbeit für Filme und Beiträge von renommierten Künstler*innen und Regisseur*innen (Clemens von Wedemeyer, Danica Dakić, Julia Charlotte Richter, Klaus Stern u.a.), sowie für Werbe- und Imagefilme nimmt er darüber hinaus seit 2002 mit eigenen Werken an Ausstellungen teil.


Tobias Böhm
Enen, 2022
370 x 270 cm
Digitale Fotografie von Sascha Mannel, bedruckte Kunststoffplane

19.09.2022Plasma Konzerte Kassel: Klänge und Visuals auf dem Henschelareal

Klänge und Visuals auf dem Henschelareal

23.09.22 / 19 Uhr / ehemalige Kantine Wolfhager Str. 109 / 10 € erm. 5 €

Ein mitreißendes, multimediales Konzert auf dem stimmungsvollen Industriegelände der ehemaligen Henschelwerke. Cantiamo piccolo, Kammerchor der Uni Kassel, erkundet zusammen mit Sebastian Jurchen (Electronics) die verwinkelten Räumlichkeiten der ehemaligen Kantine mit Werken u.a. von Paert, Schein und Pizetti. SCRIABIN CODE bespielt dann den ehemaligen Speisesaal mit Stücken aus Schumanns Klavierzyklus "Kreisleriana", die rekomponiert, verjazzt und mit raumgreifenden, live kreierten Visuals angereichert werden.

SCRIABIN CODE
Martin Albrecht, Klarinette/Leitung
Asli Kilic, Piano (Klassik)
Daniel Prandl, Piano (Jazz)
Christopher Herrmann, Cello
Dirik Schilgen, Schlagzeug
Reinhard Geller, Visuals
Eva Pöpplein, Electronics/Violine

cantiamo piccolo
Andreas Cessak, Leitung
Sebastian Jurchen, Electronics

(in Kooperation mit dem Netzwerk Hammerschmiede e.V und mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Kassel)

29.08.2022BLAUER SONNTAG - Tage der Industriekultur Nordhessen
 1. - 11. September 2022

Sensationelle & Spektakuläre Industriekultur

Zwei kostenfreie Führungen über das Gelände durch das NETZWERK HAMMERSCHMIEDE e.V. am 11.09. um 11 und 15h, Dauer ca 1,5h

Treffpunkt: Wolfhager Str. 109, Werkseinfahrt Wolfhager-/Mombachstraße, am «blauen Hammer» auf dem Werksgelände

Anmeldung: www.blauer-sonntag. de, Tel. 0561 70949-11

Am BLAUEN SONNTAG haben nordhessische Museen, Vereine, Initiativen und Unternehmen Gelegenheit, große und kleinen Besucher*innen für die sensationelle & spektakuläre «Industriekultur» Nordhessens zu begeistern.
Dabei umfasst der Begriff «Industriekultur» sehr viel mehr als pure Technikgeschichte: Es geht dabei auch um Industriearchitektur und Landschaftsentwicklung, Unternehmenskultur und Arbeiterbewegung, soziale Verflechtungen und politische Organisation, kurzum das Arbeits- und Alltagsleben in einer von Maschinen geprägten Welt, und zwar gestern, heute und morgen.
Das diesjährige Fokusthema «sensationell & spektakulär» geht einmaligen, überraschenden, bahnbrechenden, erstaunlichen und unglaublichen Facetten und Akteuren nordhessischer Industriekultur nach. 55 Standorte – von Bad Arolsen bis Heringen und von Eschwege bis Frankenberg– vom global agierenden Unternehmen bis zum kleinen, örtlichen Verein, sie alle bieten am BLAUEN SONNTAG ein spektakuläres und abwechslungsreiches Programm mit Führungen, Werksbesichtigungen, Wanderungen, Entdeckertouren, Ausstellungen und Tagen der offenen Tür.
Neugierig, wissenshungrig und interessiert?
Wofür braucht man ein Gradierwerk? Was ist ein Paramentenstoff und wie wird er hergestellt? Warum verbrennen wir uns so oft die Finger? Wo liegt Hessens kleinste Brauerei? Wer war eigentlich Sophie Henschel? Was genau ist Augmented Reality? Und wieso gibt es in Bergshausen einen Strand an dem gebuddelt wird?
Diesen und vielen anderen Fragen und Aspekten können interessierte Industriekultur-Freunde am BLAUEN SONNTAG auf den Grund gehen. Kleine und große, neugierige und wissenshungrige Besucher sind bei den über 100 Veranstaltungen in ganz Nordhessen auf jeden Fall sensationell gut aufgehoben.
Der BLAUE SONNTAG wird von der Fördergesellschaft Nordhessen mbH im Auftrag der nordhessischen Landkreise und der Stadt Kassel als non-profit Veranstaltung seit fast 15 Jahren organisiert.
Das komplette Programm des BLAUEN SONNTAG mit Hinweisen zu Anmeldung und Anreise ist im Internet unter www.blauer-sonntag.de einsehbar. Gedruckte Programmhefte sind in den Kundenzentren und Info-Points des NVV sowie bei den teilnehmenden Standorten des BLAUEN SONNTAG erhältlich.
Wir bitten, stets die geltenden Hygieneregeln des Landes Hessen einzuhalten und beim Auftreten von Krankheitssymptomen den Veranstaltungen fernzubleiben.
Wir freuen uns sehr, mit Ihnen gemeinsam die Industriekultur Nordhessens zu entdecken: – auf geht‘s!

Alle Infos und Kontakt:
www.blauer-sonntag.de

08.07.2022Randfilms Pandämonium

Nächsten Samstag, den 9.7. ist es soweit. Randfilms Pandämonium ist unter freiem Himmel in der Hammerschmiede zu Gast mit dem Film "Die Stunde, wenn Dracula kommt" + Vorfilm "Thermogenisis", Beginn 21 Uhr & der Eintritt ist frei!

Dieses Event ist Teil von Randfilms Pandämonium, dass vom 4.7. bis zum 9.7. stattfindet: Randfilm bringt erneut Filmdämonen auf die Leinwand. Jede ihrer Veranstaltungen findet mitten in Kassel statt – und das unter freiem Himmel. Das Besondere dabei: Alle Filme laufen in analogen 16mm-Kopien an jeweils unterschiedlichen Orten der Stadt.

Hier der FB-Link:
www.facebook.com/randfilm/posts/pfbid02m

Und hier der Downloadlink des Programms:
drive.google.com/drive/folders/1w0W-R-6i

14.05.2022Open Air Galerie Hammerschmiede: 10 Musikerinnen in der Hammerschmiede

Das zehnte Plakat ist innerhalb einer ganz besonderen Zusammenarbeit entstanden. Tine Krauskopf hat die Musikerinnen Petra Bühler, Eugenia Cerruto und Brigit Goldbourne portraitiert und für die Open Air Galerie Hammerschmiede auf einem gemeinsamen Plakat collagiert. Der nachstehende Text dokumentiert die Musikbiographien der Musikerinnen und den kreativen Prozess, der innerhalb des Netzwerk Hammerschmiede e. V. entstanden ist.

Tine Krauskopf in Kooperation mit Petra Bühler, Eugenia Cerruto und Birgit Goldbourne

| Birgit, Saxophonistin, ist bei diversen Improgelegenheiten und in unterschiedlichen Jazz-Combos, in Kassel oder auch mal virtuell in Übersee anzutreffen, gerne über Genregrenzen hinweg mit Elektro, Rap oder (Punk-)Rockeinschlag oder alles zusammen. Sich den Freiraum zu nehmen, Saxofon zu lernen und zu spielen, auch mit anderen zusammen und vor Publikum, war für Birgit keine Selbstverständlichkeit, sondern die Erfüllung eines lang ersehnten Wunsches, den sie sich hart - gegen innere und äußere Widerstände - erarbeitet habe, sagt Birgit bei unserem Interview. Rückblickend eine „echt gute Entscheidung, die mein Leben stark bereichert und gewandelt hat und das nicht nur musikalisch, sondern auch sozial und körperlich. Saxophon spielen ist auch eine sportliche Angelegenheit, man braucht eine gut trainierte Atmung“. Und warum zieht Birgit gerade das Improvisieren an bzw. in den Bann? „Beim Saxophonunterricht und wenn ich für mich übe, spiele ich auch nach Noten und eigne mir darüber verschiedene Techniken an, die ich dann wiederum beim Improvisieren einsetzen kann.“ Birgit zeigt mir, wie modellierbar einzelne Töne auf dem Saxophon sind, von gerade gezogenen über abgedämpft bis verzerrend gespielte Töne und ergänzt: „Beim Improvisieren bin ich weniger verkopft, es fühlt sich authentischer an und ermöglicht intensivere Momente, gerade auch in der und durch die direkte Kommunikation im Zusammenspiel mit anderen Musiker:innen.“

| Eugenia, Schlagzeugerin, aktuell unterwegs in der Band Gudrone Girls mit der sie im Sommer 2021 ihr erstes Livekonzert überhaupt spielte. Angefangen mit dem Schlagzeug spielen hat Eugenia in ihrer Jugend. Da ihr Fokus bei Songs immer schon auf den Schlagzeugrhythmen lag war klar, dass das ihr Instrument werden soll. In der Kleinstadt Ispica auf Sizilien verbrachte Eugenia oft stundenlang allein mit dem Schlagzeugspielen. Die Bands vor Ort bestanden überwiegend aus Jungen/Männern, Frauen traf man höchsten am Mikro oder Piano an. „Als ich anfing meinen Radius auszuweiten, hat sich für mich eine neue Welt eröffnet. Ich begann mit Freunden in Palermo in Pubs zu gehen, wo Jamsessions stattfanden, und lernte eine Gruppe von jungen Musikern kennen, mit denen ich mich dann jedes zweite Wochenende in Catania traf. Sie fanden es verrückt, dass ich 2,5 Stunden mit dem Bus jeweils hin und zurück fuhr, ‚nur‘ um mit ihnen Musik zu machen.“ Nachdem Eugenia in Kassel ihr Architekturstudium erfolgreich beendete und in einem Kasseler Architekturbüro arbeitet, ist an den Wochenenden auch wieder ein wenig mehr Zeit fürs Musik machen. Über ihr aktuelles Bandprojekt erzählt mir Eugenia, dass es ihr besonders gefällt, dass sie eigene Ideen einbringen und bis zu einem gewissen Punkt improvisieren kann, aber dann auch fertige Songs entwickelt und fixiert werden. „Das ist nicht immer einfach etwas zusammen produzieren, was zudem alle gleichmäßig und sofort begeistert, aber es geht nicht nur um das Ergebnis, sondern auch um den Weg dahin.“

| Petra, Akkordeonistin, schiffert zwei und dreihändig über das Instrument, letzteres eigentlich nur bei der Fotosession, aber drei Dinge auf einmal koordinieren muss sie trotzdem: rechts die Diskantseite (Klaviertastatur), links die Bass-Seite mit Einzelton- und Akkordknöpfen und in der Mitte den Balg, mit dem das Akkordeon aus- und einatmet. Dreihändig spielen stimmt insofern auch, als dieses Akkordeon eine technische Besonderheit hat: die Standardbass-Tastatur kann ganz auf Einzeltöne umgeschaltet werden. Petra hat schon in frühen Jahren mit dem Klavier angefangen, als Jugendliche auch mal Nächte durchgespielt. Dann folgte mehr oder weniger eine musikalische – wenn auch nicht unkreative – Pause durch das Studium der Visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel. Mit Anfang 30 dann das erste Akkordeon. „Ich wollte zu den Tasten zurück, aber mein Niveau auf dem Klavier hätte ich schwer wieder erreicht. Da war es dann Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Meine Fähigkeiten von früher kann ich auf dem Akkordeon mit ganz anderen klanglichen Möglichkeiten verbinden und es bietet noch einen weiteren unbestrittenen Vorteil: man kann es sich einfach auf den Rücken schnallen und überall hin mitnehmen.“ Mit dem Akkordeon kann sich Petra selbst begleiten, „es ist wie ein kleines Orchester“, zugleich eröffnen sich ihr in Workshops und als Musik-Gaststudentin spannende Möglichkeiten, mit anderen Musiker:innen zusammen Stücke zu spielen oder zu improvisieren. Auch wenn sie großer Fan von Klassik ist, hat sie keine Schere im Kopf und probiert immer wieder neue Wege aus. „Das Notenmaterial für Akkordeon stellt mich inzwischen oft nicht zufrieden. Gerade wenn es Stücke sind, die ich vom Klavier kenne. Einiges kann man 1:1 übernehmen, Anderes braucht eine Akkordeonbearbeitung. Da denke ich gerne neu über diese Musik nach und auch in andere Richtungen. Und ich habe angefangen, Musik im Prozess entstehen zu lassen. Für mich eine tolle Herausforderung!“

| Birgit, Eugenia und Petra (vor der Kamera) sind Proberaumkolleginnen von Tine (hinter der Kamera) und drei Menschen, die mit ihrer intrinsischen Motivation Musik zu machen und sich darüber Freiräume zu schaffen, sehr beeindrucken. Begeistert hat Tine auch durch den Austausch während des Fotoprojektes für die Open Air Galerie Hammerschmiede, verschiede Perspektiven auf das Improvisieren kennenzulernen. Allen vier Musikerinnen gemeinsam ist die große Wertschätzung des Musikmachens auf dem Gelände des Netzwerk Hammerschmiede e. V., da die Proberäumlichkeiten bezahlbar sind – und man auch über Stunden hinweg spielen kann, ohne Nachbar:innen zu nerven. Außerdem ist das Areal aufgrund seiner baulich-architektonischen Gegebenheiten und der ansässigen Nutzer:innen ein außergewöhnlicher Ort, der mehr als nur Kulisse oder Obdach für die musikalischen Aktivitäten von Birgit, Eugenia, Petra und Tine darstellt. Tine Krauskopf ist seit 2020 im Verein Netzwerk Hammerschmiede e. V. engagiert, war lange beim Weltsubkulturerbe e. V., organisierte soziokulturelle Veranstaltungen im Haus und Sandershaus-Subterrain und spielte Schlagzeug in der Kasseler Band Ille Tanten. Sie studiert seit 2016 Soziale Arbeit in Kassel.
Tine dankt Eugenia, Petra und Birgit vielfach für ihre Bereitschaft, sich ablichten zu lassen, ihre Musikmachbiografien und -motivationen mit ihr zu teilen und Ideen zur Bearbeitung der Fotocollage und des Textes eingebracht zu haben.

Text: Tine Krauskopf in Kooperation mit Petra Bühler, Eugenia Cerruto und Birgit Goldbourne


Musikerinnen in der Hammerschmiede, 2021-2022
370 x 270 cm
Digital bearbeitete und collagierte Fotografien, bedruckte Kunststoffplane